Nachbarschaftskontrolle: „Helfen Sie uns, Ihnen zu helfen“

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Von links: Stadtrat Nerio Zaccaria und Bürgermeister Dario Dal Medico bei der gestrigen Informationsveranstaltung im Bürger*innensaal.

Mehr als einhundert Bürgerinnen und Bürger nahmen gestern Abend an der von der Meraner Stadtregierung organisierten Informationsveranstaltung zur Nachbarschaftskontrolle teil. Um das Projekt in all seinen Aspekten zu veranschaulichen, waren im Bürger*innensaal namhafte Referent*innen zu Gast.

"Helfen Sie uns, Ihnen zu helfen": dieses Motto inspiriert und begleitet die Nachbarschaftskontrolle in der Gemeinde Verona, eine bereits konsolidierte Realität (10 Gruppen mit insgesamt 145 Teilnehmer*innen, deren Zahl ständig wächst), welche die Stadtverwaltung von Meran als Beispiel genommen hat, um dieses Projekt auch in der Kurstadt umzusetzen.

Nach der Unterzeichnung des entsprechenden Eivernehmensprotokolls mit dem Regierungskommissariat am 7. Februar und der anschließenden Reise nach Verona Mitte März, organisierte die Stadtgemeinde Meran gestern Abend eine öffentliche Informationsveranstaltung im Bürger*innensaal, um, die lokale Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren und auch Ängste und Unklarheiten zu beseitigen. Daran teilgenommen haben mehr als hundert Personen - darunter auch die Landesrätin für Wohnbau, Sicherheit und Gewaltprävention Ulli Mair.

Der Regierungskommissar der Autonomen Provinz Bozen, Präfekt Vito Cusumano, der Quästor von Bozen Paolo Sartori, der Landeskommandant der Carabinieri Raffaele Rivola, Stefania Zivelonghi, Stadträtin für Sicherheit, Rechtmäßigkeit und Transparenz der Stadt Verona, Luigi Altamura, Kommandant der Stadtpolizei von Verona sowie Vizekommandant Massimo Pennella erläuterten den Anwesenden worin die Nachbarschaftshilfe besteht, wie sie funktioniert, welche Ziele sie verfolgt und wo ihre Grenzen liegen.

GruppenfotoBesonders zufrieden mit dem Ergebnis des Informationsabends waren der Bürgermeister von Meran, Dario Dal Medico, und der Stadtrat Nerio Zaccaria, der die Umsetzung dieses Projekt der Stadtregierung vorgeschlagen hatte.

„Wir wollen in der Bevölkerung ein größeres Bürgerbewusstsein fördern und den Solidaritätssinn stärken, um dazu beizutragen, die Ordnung und den Anstand in Meran aufrechtzuerhalten und unangenehme Situationen zu vermeiden oder zu beheben. Das Ziel ist es, eine Kultur der partizipativen Sicherheit zu fördern. Dieses Ziel kann nur erreicht werden, wenn ein Weg der Partizipation und der direkten Einbindung der Bürger*innen gewährleistet ist. Das Interesse der Meraner*innen an diesem Projekt ist offensichtlich, was sich auch in der Anwesenheit so vieler Menschen bei diesem Informationsabend zeigte. Es war eine sehr interessante öffentliche Veranstaltung mit vielen Informationen und Einblicken. Wir möchten unseren Gastredner*innen nochmals dafür danken, dass sie der Einladung gefolgt sind und in so anschaulicher und detaillierter Weise die Regelungen, Verfahren und operativen Anwendungen der Nachbarschaftskontrolle sowie die bereits gemachten Erfahrungen im Zusammenspiel zwischen Bürger*innen und Institutionen erläutert haben. All dies sind wertvolle Hinweise, die wir nutzen werden, um ein erfolgreiches Projekt der Nachbarschaftskontrolle zu entwickeln", bekräftigten Dal Medico und Zaccaria.

Was ist Nachbarschaftskontrolle?

Die Nachbarschaftskontrolle ist ein Instrument zur Verbrechensverhütung in einem integrierten Sicherheitskontext, d. h. in einem Prozess der ständigen Interaktion mit den Mitgliedern der Zivilgesellschaft, die ihrerseits in organisierter und strukturierter Weise mit den Ordnungskräften zusammenarbeiten. In der Praxis kümmern sich die Teilnehmer*innen der Kontrollgruppen, die selbstverständlich bürgerschaftlich engagiert und solidarisch sowie entsprechend geschult sein müssen, um ihr Viertel und ihre Mitbürger*innen, indem sie einem Koordinator oder einer Koordinatorin kritische Situationen melden. 

gruppenfotoDer Koordinator prüft diese Meldungen und leitet sie je nach Zuständigkeit und Priorität an die Staatspolizei, die Carabinieri, die Ortspolizei, die Feuerwehr und die Rettungskräfte weiter. Die Meldungen können verschiedene Angelegenheiten betreffen, wie etwa die Anwesenheit oder die verdächtige Flucht von Fahrzeugen oder Personen, Mobbing-Phänomene, den Verdacht auf Drogenhandel, erhebliche Situationen des städtischen Verfalls, soziales Unbehagen, Störung der Nachtruhe, Vandalismus, verwirrte oder in offensichtlichen Schwierigkeiten befindliche Personen, unangemessene Nutzung öffentlicher Räume, Anwesenheit von Autos, Motor- oder Fahrrädern auf öffentlichen Plätzen, die des Diebstahls verdächtigt werden, das Vorhandensein von gefährlichen Hindernissen auf Verkehrswegen, Störungen oder Wartungsbedarf der öffentlichen Beleuchtung oder der Zäune in öffentlichen Bereichen usw.

Aber bei der Nachbarschaftskontrolle geht es nicht nur um Beobachtung und Meldung. Nachbarschaftskontrolle bedeutet auch, sich für die Stärkung des Vertrauens in den Nachbar*innen und in die Institutionen einzusetzen, schwächere Bevölkerungsgruppen mit Informationen und Ratschlägen zu unterstützen und ganz allgemein ein Verhalten der gegenseitigen Hilfe anzunehmen.

Was Nachbarschaftskontrolle nicht ist

Die Teilnehmer*innen an Nachbarschaftskontrollgruppen tragen keine Waffen, sie treten nicht als Sheriffs auf, greifen im Falle eines Verbrechens nicht ein, führen keine Ermittlungen durch, registrieren keine Personen und dringen nicht in die Privatsphäre anderer ein.

So wird eine Nachbarschaftskontrollgruppe gegründet

Die Gemeinde sammelt die Bewerbungen von Personen, die sich für die Teilnahme an dem Projekt interessieren, und setzt sich dann direkt mit dem Landeskomitee für öffentliche Ordnung und Sicherheit in Verbindung, welches am Sitz des Regierungskommissariats in Bozen eingerichtet wurde und in dem der Präfekt den Vorsitz führt. Das Komitee prüft die Eignung der Kandidat*innen und gibt eine Bewertung ab. Bei positiver Beurteilung wird die Liste der Gruppen und Mitglieder zur Registrierung an die örtlichen Ordnungskräfte weitergeleitet.

Wer ist zu kontaktieren?

Alle Meraner Bürgerinnen und Bürger, die sich für die Mitarbeit in einer Nachbarschaftskontrollgruppe interessieren, können sich an das Sekretariat des Bürgermeisters wenden (Zimmer Nr. 113 im 1, Srtock des Rathauses, Tel. +39 0473 250121, E-Mail: martina.rechenmacher@gemeinde.meran.bz.it). Die Bewerber*innen, die für die Aufgabe der Nachbarschafskontrolle als geeignet erachtet werden, werden in eine spezielle Liste aufgenommen und zu einer Schulungsveranstaltung eingeladen. Diese wird von der Stadtverwaltung so bald wie möglich organisiert.

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30.05.2024

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